Was ist Rechenschwäche / Dyskalkulie?
Add an overline text
Dyskalkulie
Dyskalkulie ist eine ausgeprägte Rechenschwäche, bei der grundlegende mathematische Basiskompetenzen fehlen. Betroffene Kinder haben kein stabiles Verständnis von Mengen und Zahlen und können Rechenanforderungen trotz Übens nicht bewältigen.
Ursache
Viele Kinder (ca. 8–25 %) zeigen Rechenschwierigkeiten, die auch durch intensives Üben nicht verschwinden. Ursache ist meist ein fehlendes Grundverständnis von Mengen und Zahlen (z. B. „mehr“, „gleich viel“). Kinder entwickeln Ersatzstrategien wie Auswendiglernen, heimliches Zählen oder Raten und erleben wiederholt Misserfolge.
Folgen
Die Folgen reichen weit über Mathematik hinaus: Matheangst, Selbstzweifel, Stress bis hin zu Schulvermeidung und psychischen Belastungen. Langfristig werden Bildungs- und Berufswege eingeschränkt, insbesondere in
MINT-Bereichen. Auch im Alltag und in Familien entstehen Belastungen,
etwa bei Finanzen oder durch Weitergabe ungünstiger Strategien.
Woran kann ich erkennen, ob mein Kind möglicherweise betroffen ist?
- Dem Kind muss ständig geholfen werden.
- Mühsam Eingeübtes wird immer wieder vergessen.
- Das Rechnen dauert auch bei den Grundaufgaben ungewöhnlich lange (Zeit>3s).
- Das Kind benötigt Hilfsmittel.
- Kinder zählen auch noch in höheren Klassenstufen.
- Schulische Förderung und Nachhilfe bleiben und blieben ohne Erfolg.
- Die Kinder sind schnell überfordert, wirken bei Mathehausaufgaben nervös zappelig und unruhig, während sie sich sonst gut konzentrieren können.
- Die Kinder versuchen sich krampfhaft zu erinnern „Wie war das nochmal?“.
- Elemente von Rechenwegen werden willkürlich kombiniert, z.B. 139-13=16, denn 9-3=6 und die 1 davor, weil es bei 13+6 auch so ähnlich war.
- Es wird auch da gerechnet, wo sich jedes Rechnen erübrigt, z.B. 9-8 wird gezählt oder 300-298 wird schriftlich gerechnet.
- Das Ergebnis wird oft als Frage formuliert 7+8 „15?“.
Zahlenverständnis ist erlernbar
Aktuelle Ansätze (ZGV-Modell) gehen davon aus, dass es keinen angeborenen Zahlensinn gibt. Zahlenverständnis muss schrittweise erworben werden, indem Zahlwörter, Ziffern und konkrete Mengen miteinander verknüpft werden.
Rechenschwäche ist in der Regel eine Entwicklungsverzögerung dieser
Zahl-Größen-Verknüpfung. Je früher diese Lücke erkannt und geschlossen wird, desto besser.
Die drei Entwicklungsstufen auf dem Weg
zum tiefen Zahlverständnis
- Ebene 1 (Basisfertigkeiten): Aufsagen von Zahlwörtern und grobes Unterscheiden von Größen – noch getrennt voneinander.
- Ebene 2 (Einfaches Zahlverständnis): Verknüpfung von Zahlwörtern mit Mengen; Verständnis von „mehr“ und „weniger“.
- Ebene 3 (Tiefes Zahlverständnis): Verständnis von Zahlenrelationen, Zerlegen und Zusammensetzen von Zahlen sowie von Differenzen.
Nur Umgang mit Mengen und Zahlen ermöglicht ein Verständnis
Zahlenverständnis entsteht nur durch aktiven Umgang mit Mengen und Zahlen, vergleichbar mit Lernen durch Bewegung, Sprache oder Schwimmen.
Kinder ohne Zahlenverständnis geraten bereits zu Schulbeginn in Rückstand.
Gezielte Förderung nach Bedarf
Auf Basis der Testergebnisse benötigen Kinder frühzeitig passgenaue Förderung. Je früher diese erfolgt, desto geringer sind Aufwand und Belastung. Bewährte Programme wie „MMZ – Mengen, zählen, Zahlen“ werden
bereits erfolgreich eingesetzt.
Bei starkem Rückstand ist eine individuelle Therapie erforderlich, um Basiskompetenzen nachträglich aufzubauen.
Rechenschwäche ist in jedem Alter therapierbar
Auch Jugendliche und Erwachsene können von unerkannter Rechenschwäche betroffen sein, was Bildungs- und Berufswege einschränkt. Entsprechende Förder- und Therapieangebote sind notwendig, um weitere Nachteile zu reduzieren.
Was hilft ?
Eltern können durch alltägliche Gespräche und Handlungen den Umgang mit Mengen und Zahlen fördern. In Kindergarten und Vorschule sollte Zahlenverständnis gezielt aufgebaut werden, wobei Förderunterschiede zwischen Familien berücksichtigt werden müssen.
